

Friedinger Schlössle
uf einem Gipfel östlich von Friedingen, etwa 800 m Luftlinie vom Ortskern entfernt, liegt inmitten des Wäldchens auf etwa 550 m Höhe das Friedinger Schlössle. Die Lage etwa 150 m über dem Bodensee.
Die erste urkundliche Erwähnung fand 914 durch König Konrad I. statt. Etwa 1180 bis 1200 wurde die Burg durch die Herren von Friedingen ausgebaut. Eine weitere Erwähnung liegt aus dem Jahr 1181 vor. Im 14. Jahrhundert wurde die Burg geteilt und die Familie Schwarz aus Konstanz wurde Mitbesitzer. 1448 wurde dieser Anteil an Frischhans von Bodman zu Möggingen verkauft. 1476 fiel der restliche Anteil auch an die Herren von Bodman.
as altadelige, edelfreie Geschlecht der Friedinger, das zu den Parteigängern der Staufer zählte und dessen herausragendster Exponent der staufisch gesinnte Bischof Hermann II. von Konstanz war (1183-89), begab sich um das Jahr 1200 wegen politischer und wirtschaftlicher Vorteile in die Abhängigkeit des Abtes der Reichenau; die Herren von Friedingen wurden seine Dienstmannen und erhielten von ihm die Vogteirechte und das einträgliche Meieramt im reichenauischen Marktflecken Radolfzell. Sechzig Jahre lang, bis zur Auflösung dieses Pfandlehens durch den Reichenauer Abt Albrecht von Ramstein, waren die Friedinger die unumstrittenen Herren über Radolfzell.
m 15. Jahrhundert begann der wirtschaftliche und gesellschatliche Niedergang der Familie. Hans von Friedingen soll als Raubritter eine unrühmliche Rolle gespielt haben, bis schließlich im Jahr 1512 der Schwäbische Bund eine Strafexpedition mit über 8000 Mann in den Hegau entsandte, um das berüchtigte Raubritternest Hohenkrähen zu brechen.
Die Stammburg der Friedinger, Hohenfriedingen, ist schon im Schweizer Krieg 1499 verbrannt, danach allerdings wieder aufgebaut worden. 1512 aber scheint die Burg nicht zerstört worden zu sein, denn sie war damals bereits Eigentum der Herren von Bodman. Diese hatten den durch Erbstreitigkeiten, Fehden und Schulden arg heruntergekommenen Adeligen von Friedingen, nach und nach den größten Teil von Burg und Dorf Friedingen abgekauft. 1476 gehörte den Herren von Bodman, abgesehen von einigen wenigen Besitzstücken, die ganze Herrschaft Friedingen.
Diese wiederum verkauften am 25. Juni 1539 um 9.800 Gulden Schloß und Dorf Friedingen an Bürgemeister, Rat und Gemeinde zu Radolfzell. Einige in diesem Kauf nicht inbegriffen gewesene Rechte und Einkünfte (Kirchensatz, Vogtrechte und Zehnten in Friedingen) erwarb die Stadt fünf Jahre danach (1544). Dadurch hatten sich die Besitzverhältnisse grundlegend geändert! Die Stadt Radolfzell, im 13. Jahrhundert unter der Herrschaft der Edlen von Friedingen, war durch den Kauf von 1539 Inhaberin des Stammsitzes ihrer einstigen Herren geworden! Bis zum Ende der Habsburger Oberhoheit über zahlreiche Städte und Dörfer am Bodensee und im Hegau (1805) blieben Dorf und Schloß Friedingen ein der Stadt Radolfzell zustehendes österreichisches Lehen, und noch heute, 450 Jahre nach dem denkwürdigen Handel von 1539, gehört den Radolfzellern fast die Hälfte der Friedinger Gemarkung, darunter ein Großteil der Waldungen, das Schloß und das Schloßgut.
ei der Gemeindereform in den siebziger Jahren ist Friedingen allerdings nicht in die Stadt Radolfzell, sondern in die Stadt Singen eingemeindet worden. (1.12.1971). So ist zwar die Stadt Radolfzell mit Abstand der größte Grundeigentümer in Friedingen, aber in kommunaler Hinsicht nicht zuständig. Nach der Erwerbung von Friedingen anno 1539 setzte die Stadt Radolfzell auf das Schloß Friedingen einen Untervogt, der dem Radolfzeller Bürgermeister unterstellt war und der meist selber aus Radolfzell stammte. Seine Aufgaben bestanden darin, "das Schloß mit Öffnen und Beschließen des Tore bei Tag und Nacht jederzeit in getreuer Hut zu haben und zu bewahren, den dazugehörigen Wald fleißig zu begehen, die im Flecken Friedingen vorfallenden Frevel nach Weisung des Radolfzeller Bürgermeisters zu ahnden und dessen sonstigen Befehlen getreulich nachzukommen".
m Dreißigjährigen Krieg hatte, wie das Schloß, so auch das Dorf Friedingen seitens der württembergischen Besatzung auf dem Hohentwiel viel zu leiden, weshalb sich noch gegen Ende des Krieges die gesamte Einwohnerschaft nach Radolfzell flüchtete. Am 18. Mai 1643 erschienen der Vogt und der Schloßmeier von Friedingen vor dem Rat der Stadt Radolfzell und klagten, daß der Kommandant vom Hohentwiel, Oberst Konrad Widerholt, die Häuser und Scheunen des Ortes abdecken lasse, weil die Einwohner weggezogen seien und deshalb keine Kontributionen eingetrieben werden könnten.
Vogt und Schloßmeier von Friedingen baten die Radolfzeller Obrigkeit, dafür zu sorgen, daß die geflohenen Untertanen wieder nach Friedingen zurückkehren, das Dorf wieder bewohnen und sich an den geforderten Kontributionen beteiligen. Der Rat der Stadt Radolfzell befahl daraufhin allen Untertanen von Friedingen, die sich in die Stadt Radolfzell geflüchtet hatten, zu Haus und Herd zurückzukehren und so gut wie möglich ihre Güter zu bebauen.
is Juli 1647 war das Schloß Friedingen größtenteils zerstört, der Weinberg stark verwahrlost und verwüstet. Doch erst am 17. April 1651 beschloß der Rat der Stadt Radolfzell, zur Unterkunft eines Rebknechtes auf dem Friedinger Schloßberg wieder eine Behausung und einen Stall aufzurichten. Seit dieser Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs dienten die Gebäulichkeiten auf Hohenfriedingen dem Rebmann und seiner Familie, welche die Rebflächen an der Schloßhalde zu betreuen hatten und zur Sicherung ihres Unterhalts eine kleine Landwirtschaft betrieben. Die kostenfreie Nutzung der Schloßgebäude und Grundstücke waren ein Teil des Entgelts, das der Rebmann für seine Tätigkeit von der Stadt Radolfzell erhielt. 1929 wurde der Rebbau am Friedinger Schloßberg eingestellt.
Die noch erhaltenen Gebäude auf dem Friedinger Schloßberg werden von einer 6 bis 8 Meter hohen, aus Geröllen, Phonolith-, Molasse- und Sandsteinquadern bestehenden Mauer umfaßt, die ein unregelmäßiges Rechteck von 30 auf 50 Metern bildet. Der Bereich einer längst zerfallenen Vorburg war durch eine Zugbrücke über den Burggraben mit der Hauptburg verbunden. Vor allem auf der Westseite ist der ehemalige Graben noch gut sichtbar. Über dem Burgtor aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ein Steinrelief mit einem Pfau, vielleicht ein Hinweis auf den früheren Lehensherrn Österreich: Das große Wappen am Österreichischen Schlößchen in Radolfzell ist ebenfalls mit Pfauenfedern geschmückt.
as Hauptgebäude an der Südostecke der Burgmauer ist das dreigeschossige Wohnhaus, das die Stadt Radolfzell nach dem Dreißigjährigen Krieg errichten ließ, und das der langjährige Pächter Dr. Hans Curtius nach 1919 innen umgestaltet hat. An der Nordseite steht die ehemalige Scheune mit Stall (heute Gastraum), an der östlichen Umfassungsmauer ein Waschhaus, in dem jetzt die Toiletten untergebracht sind. Dort befand sich früher auch eine kleine Türe, von der aus ein Fußweg durch den steilen Wald hinunter zum Siechenhaus führte, von wo aus man lange Zeit das Wasser zum Friedinger Schlößle hinauftransportieren mußte.
eute wird die Burg als Ausflugslokal genutzt. Im Hof befindet sich im Sommer ein Biergarten und im Festsaal werden unter anderem auch Rittermahle veranstaltet

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Quelle: Kreisarchivar i.R. Dr. Franz Götz